Die EU-Richtwerte für Mykotoxine werden verschärft: So können sich Futter-mittelhersteller auf das Jahr 2027 vorbereiten
Die Europäische Kommission hat strengere, tierartspezifische Richtwerte für Deoxynivalenol (DON), Zearalenon (ZEA), Ochratoxin A (OTA), T-2-/HT-2-Toxine und Fumonisine (FUM) in Rohstoffen und Mischfutter eingeführt. Die aktualisierten Richtwerte wurden als Empfehlung (EU) 2026/1801 der Kommission veröffentlicht und ersetzen die bisherigen Empfehlungen 2006/576/EG und 2013/165/EU. Sie gilt ab dem 1. Juli 2027, wobei für ausgewählte Rohstoffe, insbesondere Mais, Sorghum, Sojabohnen, Sonnenblumen und daraus gewonnene Erzeugnisse, bis zum 1. Oktober 2027 eine Übergangsfrist gilt.
Wichtigste Erkenntnisse
Die überarbeiteten und gesenkten empfohlenen Richtwerte gelten ab dem 1. Juli 2027, wobei für ausgewählte Rohstoffe eine Übergangsfrist bis zum 1. Oktober 2027 gilt.
Die empfohlenen Grenzwerte variieren nun je nach Mykotoxin, Tierart und Nutzungsrichtung genauer.
Es sollten stets Analysen auf mehrere Mykotoxine durchgeführt werden, um ein umfassenderes Bild der Ko-Kontamination zu erhalten.
Futtermittelunternehmen sollten sich frühzeitig vorbereiten, indem sie ihre HACCP-Systeme aktualisieren, die Kommunikation mit Lieferanten verstärken und präzise Diagnostik mit einer gezielten Auswahl von Toxinbindern kombinieren.
Was ändert sich durch die Empfehlung (EU) 2026/1801 der Kommission?
Die aktualisierte Empfehlung berücksichtigt neue wissenschaftliche Gutachten der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA), aktualisierte Daten zum Vorkommen von Mykotoxinen in Europa sowie ein wachsendes Verständnis chronischer, subklinischer Auswirkungen, darunter eine beeinträchtigte Darmbarrierefunktion, eine verminderte Futteraufnahme, eine geringere tägliche Gewichtszunahme und eine schwächere Leistungsfähigkeit der Tiere. Die Richtwerte bieten daher wichtige Anhaltspunkte für das Risikomanagement, ersetzen jedoch weder repräsentative Probenahmen noch die Bewertung von Kontaminationen mit mehreren Mykotoxinen.
Wichtige Richtwerte für Mischfutter
Da die Anfälligkeit je nach Tierart und Produktionsphase variiert, werden in der Empfehlung unterschiedliche Richtwerte für verschiedene Tierkategorien und Nutzungsrichtungen festgelegt. Aufgrund dieser niedrigeren Werte wird der Futtermittelbranche dringend empfohlen, Mykotoxine in Futtermitteln sorgfältig zu überwachen, um negative Auswirkungen auf die Tiergesundheit zu vermeiden.
Mykotoxin | Beispiele von überarbeiteten Richtwerten |
|---|---|
Deoxynivalenol (DON) | 0,7 ppm für Schweine, 0,5 ppm für aquatische Tiere und 1 ppm für Broiler. |
Zearalenon (ZEA) | 0,1 ppm Für Ferkel, Jungsauen, Welpen und junge Katzen. |
T-2/HT-2 Toxin | 0,1 ppm Mastgeflügel und 0,05 ppm für Schafe. |
Fumonisine B1 + B2 | 1 ppm für Schweine und Pferde; 2 ppm für Legehennen und Broiler. |
Ochratoxin A (OTA) | 0,01 ppm für Schweine, Katzen, Hunde und Kaninchen. |
Quelle: Commission Recommendation (EU) 2026/1801, abrufbar unter https://eur-lex.europa.eu/eli/reco/2026/1801/oj/eng
Was sollten Futtermittelunternehmen jetzt tun?
Futtermittelhersteller, Rohstofflieferanten und Tierhalter sollten sich bereits rechtzeitig vor den Umsetzungsterminen auf die neuen Vorschriften vorbereiten. Rohstoffe und Mischfutter, die die neuen Richtwerte überschreiten, sollten nur dann in Verkehr gebracht oder verwendet werden, wenn ausdrückliche Vorsichtsmaßnahmen zum Schutz der Tiergesundheit getroffen wurden. Durch frühzeitiges Handeln lässt sich somit das Risiko von zurückgewiesenen Lieferungen, Störungen bei der Rezeptur und vermeidbaren Leistungsverlusten verringern.
HACCP-Systeme aktualisieren
Diese überarbeiteten Richtwerte sollten aktiv in die bestehenden HACCP-Systeme (Hazard Analysis and Critical Control Points) integriert und gegebenenfalls zur Festlegung kritischer Grenzwerte an den entsprechenden kritischen Kontrollpunkten herangezogen werden. Dies schafft eine klarere Grundlage für die Vermeidung, Beseitigung oder Reduzierung von Mykotoxinrisiken auf ein akzeptables Maß.
Gleichzeitiger Nachweis mehrerer Mykotoxine
Um multiple Kontaminationen zu erkennen, empfiehlt die Europäische Kommission, dass Futtermittelunternehmen DON, ZEA, OTA, T-2-/HT-2-Toxine und FUM im Rahmen desselben Analyseprogramms untersuchen sollten. Die Empfehlung sieht außerdem vor, dass anonymisierte Untersuchungsdaten jährlich bis zum 30. Juni an die EFSA übermittelt werden.
Die Kommunikation mit den Lieferanten stärken
Sobald Rohstoffe die entsprechenden Richtwerte überschreiten, sollten Lieferanten die Ergebnisse den Futtermittelherstellern bzw. Kunden klar mitteilen. Diese Informationen ermöglichen sicherere Entscheidungen bei der Rationsgestaltung und helfen dabei, festzustellen, welche Vorsichtsmaßnahmen erforderlich sind, bevor das Material in Verkehr gebracht oder verwendet wird.
Warum reicht die Einhaltung gesetzlicher Vorschriften allein nicht aus?
Mykotoxine können Tiere schädigen, ohne offensichtliche klinische Symptome hervorzurufen, da ihre schädlichen Auswirkungen auf zellulärer Ebene auftreten. Das tatsächliche Risiko hängt nicht allein von der gemessenen Konzentration ab. Art, Alter, Produktionsphase, Stoffwechselbelastung, Leistungsniveau sowie zusätzliche Umweltfaktoren wie Hitze, schlechte Belüftung, Überbelegung und subklinische Infektionen beeinflussen die Anfälligkeit. Junge Tiere und Tiere mit sehr hoher Leistung können daher besonders gefährdet sein.
Wenn mehrere Mykotoxine gemeinsam auftreten, können ihre kombinierten Wirkungen synergistisch wirken und die Darmintegrität, das Immunsystem, die Futterverwertung sowie die tägliche Gewichtszunahme negativ beeinträchtigen, selbst wenn jedes einzelne Mykotoxin unter seinem jeweiligen Richtwert bleibt. Die neuen EU-Richtwerte bieten zwar eine hervorragende Orientierung, es wird jedoch dringend empfohlen, die Futterrationen sogar noch unter diesen Werten zu halten.
Wie kann ein datengestützter Ansatz das Mykotoxin-Management verbessern?
Um die neuen Empfehlungen erfolgreich umzusetzen und gleichzeitig die biologischen Herausforderungen im Zusammenhang mit der Gewährleistung der Tiergesundheit und des Tierwohls zu bewältigen, ist ein intelligenteres, datengestütztes Mykotoxin-Management erforderlich. Biochem begegnet dieser Herausforderung mit einem dreistufigen Ansatz, der zuverlässige Analytik mit der gezielten Auswahl von Toxinbindern und einer präzisen Dosierung verbindet.

Nutzen Sie strengere Richtwerte als Vorteil für die Futtermittelsicherheit
Die Umstellung auf die Empfehlung (EU) 2026/1801 der Kommission stellt zwar eine Herausforderung dar, bietet aber auch die Chance, die Futtermittelsicherheit zukünftig weiter zu verbessern und die Rentabilität zu sichern. Durch die Kombination aus regelmäßigen Analysen, klarer Kommunikation mit den Lieferanten, aktualisierten HACCP-Verfahren und gezielten Risikominderungsstrategien können Futtermittelunternehmen den strengeren Anforderungen mit größerer Zuversicht begegnen.
Biochem unterstützt diesen Ansatz mit MycService für eine schnelle und zuverlässige Mykotoxindiagnostik sowie mit der B.I.O.Tox®-Produktreihe von Mykotoxinbindern zur effizienten, irreversiblen Adsorption der spezifischen Mykotoxine. Zusammen helfen diese Lösungen Futtermittelherstellern und Tierhaltern dabei, fundierte Entscheidungen zu treffen, die der Tiergesundheit, der Leistungsfähigkeit, der Futtermittelsicherheit und einer nachhaltigen Rentabilität zugutekommen. Angesichts engerer Sicherheitsmargen bleibt proaktive Prävention der Schlüssel zur Leistungsfähigkeit.
Quellen
Commission Recommendation (EU) 2026/1801, abrufbar unter EUR-Lex: https://eur-lex.europa.eu/eli/reco/2026/1801/oj/eng











